Mehr Kontrollen auf Baustellen in Neumünster gefordert

23.11.2018

Baufirmen brachten Staat um 3,2 Millionen Euro

 

Mit ihr ist nicht gut Kirschen essen. Wenn Zollbeamte auf die Baustelle kommen, werden sie oft fündig. Die IG BAU fordert intensivere Kontrollen. Foto: IG BAU

Schwarzarbeit und Lohn-Prellerei auf der Spur: Beamte des Zolls sollen die 101 Bauunternehmen in Neumünster noch häufiger auf illegale Machenschaften überprüfen. Das hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit Blick auf neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums gefordert. Danach deckten Kontrolleure bei Firmen im Bereich des Hauptzollamts Kiel in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Schaden von 5,8 Millionen Euro wegen nicht gezahlter Steuern und Sozialabgaben auf. Ein Großteil des Betrugs betraf das Baugewerbe: Allein in der Baubranche entgingen dem Staat 3,2 Millionen Euro.

Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Grüne) hervor. Für Ralf Olschewski von der IG BAU Holstein steht fest: „Die Bauwirtschaft bleibt im Branchenvergleich ein Hotspot krimineller Energie.“ Insbesondere Beschäftigte aus Osteuropa würden häufig um den Lohn gebracht, der ihnen zustehe. Am Ende komme das den Steuerzahler teuer zu stehen. „Bei Schwarzarbeit und Mindestlohnverstößen geht dem Staat richtig Geld verloren: Steuern und Sozialabgaben – also Beiträge, die der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fehlen“, macht Olschewski deutlich.

Schwarze Schafe gebe es immer wieder. Die Zöllner müssten daher auch Baustellen in Neumünster stärker in den Blick nehmen, so der Gewerkschafter. Die IG BAU fordert bundesweit mindestens 10.000 Beamte für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll. Zuletzt hatte die Einheit lediglich rund 7.200 Mitarbeiter.

Nach Angaben des Finanzministeriums kontrollierte das Hauptzollamt Kiel in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich im ersten Halbjahr insgesamt 522 Arbeitgeber – 26 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Unter ihnen waren 135 Baufirmen. In deren Branche verhängten die Zöllner Bußgelder in Höhe von 246.000 Euro und leiteten 20 Ermittlungsverfahren ein

          Ihnen hat der Artikel gefallen? Dann geben Sie uns gerne ein "Daumenhoch" oder folgen Sie uns auf Facebook,
          um keinen Beitrag aus Ihrer Region zu verpassen.